Historie


Nach mehr als 40 Jahren kommunistischer Diktatur ist Tschechien wieder ein freies Land. Das heutige Land versucht an die Tradition der alten tschechoslowakischen Republik anzuknüpfen, die vor dem II. Weltkrieg ein Hoffnungsträger im von faschistischen und parafaschistischen Regimen unterdrückten Europa war. "Die Schweiz Mitteleuropas" hat man sie genannt, und zahllosen Emigranten ist sie zur Zuflucht geworden.

 

Schnittstelle im Herzen Europas

 

Tatsächlich war das alte habsburgerische Böhmen jahrhundertelang eine Schnittstelle zwischen der germanischen und der slawischen Welt im Herzen Europas, begehrt und umkämpft als eines der Schlüsselländer des Heiligen Römischen Reiches, stand doch der böhmische König an erster Stelle unter den Fürsten des Reiches. Und unter Karl IV. war Böhmens Hauptstadt Prag die Haupt- und Residenzstadt, das Zentrum des christlichen Europa.

 

Tschechen, Deutsche und Juden lebten dort so einträchtig zusammen, wie Volksgruppen unterschiedlicher Zunge und Kultur in einem gemeinsamen Staat eben zusammenleben: mehr oder weniger rivalisierend, zänkisch, aber stets einander kulturell befruchtend.

 

Ende des Miteinanders - Wandel des Bewusstseins

 

Erst das Aufkommen des Nationalismus im 19. Jahrhundert setzte diesem Miteinander ein Ende. Mehr und mehr schwand das alte Zusammengehörigkeitsgefühl dahin, dachte man nicht mehr habsburgerisch-böhmisch, sondern tschechisch oder deutschnational. Mit dem Wandel des Bewusstseins verhärteten sich die Fronten: Die tschechische Mehrheit forderte gebieterisch einen eigenen Nationalstaat, die deutsche Minderheit suchte ihre Machtpositionen zu behaupten oder wenigstens soviel wie möglich davon ins Deutsche Reich einzubringen, die zahlreichen Juden wurden von der tschechischen Mehrheit nolens volens mit der deutschen Minderheit identifiziert. Leidtragende war die K.K. Monarchie, die auf die Weise die Loyalität sämtlicher böhmischen Volksgruppen verlor und unter den Schlägen des 1. Weltkriegs zerbrach.

Die politische Sprengkraft eines europaweit dominanten Nationalismus ließ dem Miteinander keine Chance.