Ein Streifzug durch die Geschichte des Egerlandes (Historie Chebsko)


Die heutigen Grenzen Böhmens (1182-1918) sind fast 800 Jahre alt - das Egerland kam erst im 14. Jahrhundert (1322) dazu

Das Egerland ist der nordwestlichste Teil Böhmens, eingerahmt vom Erzgebirge auf der einen, vom Kaiserwald und dem Fichtelgebirge auf den anderen Seiten. Mittelpunkt stellt die alte Reichsstadt Eger (Cheb) dar. Das Egerland existierte schon vor der Eingliederung Böhmens. Hier zur Geschichte:

  

1061 - Die freie Reichsstadt Eger wurde erstmals in einer Königsurkunde Heinrich IV. erwähnt. Eine Urkunde von 1061 über die Ostkolonisierung im benachbarten oberen Maingebiet erwähnt mit dem von dort aus ostwärts führenden Handelsweg auch den Ort Eger. Mit der mittelalterlichen Kolonisation im kamen bayerische und fränkische Siedler und das Egerer Becken wurde ein geschlossenes deutsches Sprach- und Siedlungsgebiet. Sie wurden von böhmischen Herrschern aus dem Haus der Przemysliden (Přemyslovci) gerufen, denn sie sollten Privilegien erhalten. Die Neuankömmlinge  (Bauern (rolníky), Handwerker (řemeslníky) und Bergleute (horníky) bezogen die kargen Randgebiete/Waldgebiete Böhmens. Als sie diese Gebiete urbar machten, führte dies zur Entwicklung des Landes (rozvojem země). Von Eger aus erfolgte die Erschließung des Landes und die Gründung von Dörfern, Städten, Klöstern (Zisterzienser und Prämonstratenser), Burgen und Schlössern. Damit hatten sich im Egerer Becken Vorgänge angebahnt, die die Landschaft auf eine neue Entwicklungsebene hoben. Mit der kolonisatorischen Ausweitung des gesamten Landstrichs entstand gleichzeitig ein neuer Volksschlag: Die Egerländer. Mundart, Brauchtum und Sitte kennzeichneten das gemeinsame Volksgut. 


Die Przemysliden haben - wie alle Hochadeligen - quer durch Europa geheiratet. Das heißt die Przemysliden hatten Tschechen, Deutsche, Polen usw. im Stammbaum. Nationsbegriffe wie Tschechen, Deutsche etc. waren damals unbekannt. Sie haben sich sicher als "Böhmen" gesehen, diese Landesidentitäten waren üblich. Die heutigen Nationsbegriffe sind erst lange nach dem Aussterben der Przemysliden in männlicher Linie entstanden. Gleiches gilt übrigens für alle Hochadelsgeschlechter: Alle hatten Vorfahren aus ganz Europa, die Habsburger sogar aus Portugal und Litauen. Wenn man Nation als "Kultur- und Schicksalsgemeinschaft" sieht, dann waren sie - nach heutigen Begriffen - Tschechen.

(Quelle: Günter Ofner, Familia Austria)


1167 - Das Egerland kam durch Erbschaft an Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Geschlecht der Staufer.

 

1180 - Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa baute die Egerer Burg zu einer Kaiserburg aus. Daher ist Eger der einzige Ort mit einer Kaiserpfalz. Die Staufer bauten die Provincia Egrensis (lat). zum reichsunmittelbaren Musterland aus. Das reichsunmittelbare Land wurde nach dem Sturz der Staufer aufgeteilt.

 

1277 - nun freie deutsche Reichsstadt Eger

 

1279 - Eger bekam von Kaiser Rudolf von Habsburg das Stadtrecht verliehen

 

1322 - Die seit 1277 freie deutsche Reichsstadt Eger und das dazugehörende Landgebiet wurden vom deutschen König Ludwig der Bayer 1322 dem Kurfürsten und König von Böhmen Johann von Luxemburg verpfändet „bei Garantie der völligen Unabhängigkeit vom Königreich Böhmen“. Dieses Reichspfand fand war der Dank für die Unterstützung des Königs von Böhmen in der Schlacht von Mühldorf, die die Kämpfe zwischen den beiden Gegenkönigen Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Österreich um den deutschen Thron entschied.

 

1346 - 1376 - Die Zeit unter der Herrschaft Kaiser Karls IV. bezeichnet man als das "Goldene Zeitalter Böhmens”. Der Böhmenkönig und Sohn Johanns war seit dem Tode Kaiser Ludwigs als Karl der IV. anerkannter deutscher König und Böhmen selbst als vornehmstes Kurland den anderen deutschen Kurfürstentümern rangmäßig überlegen. In einer Urkunde versprach Karl IV., dass er das Egerland niemals als Pfand versetzen und in keiner anderen Art der Entfremdung vom Heiligen Römischen Reich und des Königsreichs Böhmen trennen werde. Er verschaffte der Stadt Eger durch vielfältige Privilegien in der Folgezeit viele Vorteile in den böhmischen Ländern. Es hatte einen eigenen Landtag und gehörte  staatsrechtlich nicht zum Territorium Böhmens. .

1420 - Die Hussitenkriege und später der 30-Jährige Krieg zerstörten das Land - Mit ihrer ungeheuren zerstörerischen Macht zogen ab etwa 1420 die Hussiten (benannt nach (Johann) Jan Hus) durch Böhmen. Eger diente den Truppen des Reiches, die mehrfach gegen die Hussiten zogen, als Sammelplatz, Nachschubbasis und Umschlagplatz.

 

1430 passierten die Hussiten auf dem Weg von Nürnberg zurück nach Böhmen die Stadt Eger. Dabei brannten sie einen Teil der außerhalb der schützenden Stadtmauer liegenden Obertorvorstadt nieder. Nur durch die Zahlung einer großen Summe konnten sie zum Abzug bewegt werden.

Eger beteiligte sich nicht am böhmischen Aufstand (!).

 

1618 - Mit dem Prager Fenstersturz begann der 30-Jährige Krieg. Trotz dieser kaisertreuen Haltung huldigten die Egerer 1619 dem böhmischen König Friedrich, der für sie nicht mehr als ihr Pfandherr war.

 

Im 30-Jährigen Krieg wurde das Egerland teils von den Kriegsparteien wie ein Teil Böhmens behandelt, teils betonten die Mächtigen die Eigenständigkeit aus ihrem Machtinteresse heraus. So verwehrte Rudolf II. der zeitweilig dem Luthertum zuneigenden Reichsstadt Eger die zu dieser Zeit den böhmischen Ständen zugestandene religiöse Toleranz.

 

1628 wurde die staatliche Einheit Bayerns formal wiederhergestellt. Das Egerland verblieb dennoch als nicht eingelöstes Reichspfand bei Böhmen. Die formale Eigenständigkeit innerhalb der Habsburger Monarchie verlor immer mehr an Bedeutung.

 

Auf dem Höhepunkt seiner Macht, 1628, unterzog Kaiser Ferdinand dann die Rekatholisierung besonders hartnäckig und konsequent in Eger und belegte die Stadt 1627 widerrechtlich mit einer Bier- und Weinsteuer, wie sie für ganz Böhmen eingeführt wurde. Der strategische Wert der Stadt Eger ist davon gekennzeichnet, dass Wallenstein in dieser Zeit in Eger wiederholt sein Lager aufschlug und von dort wichtige Feldzüge unternahm.

 

1634 -  Seine Ermordung in Eger setzte einen traurigen Schlussstrich unter ein bis heute umstrittenes Kapitel der deutschen Geschichte.

 

1647 kam es noch einmal zu schweren Kämpfen um die Reichsstadt zwischen den Kaiserlichen und den Schweden. Der kaiserliche Stadtkommandant ließ die Vorstädte niederbrennen, um freies Schussfeld zu haben. Nach vierwöchiger Belagerung gelang es den Schweden, die Festung einzunehmen. Unter schweren Leiden, Entbehrungen und Heimsuchungen überstand die Stadt den 30-Jährigen Krieg. Die Haupterwerbsquellen aber, Handel und Gewerbe, waren durch die Kriegsereignisse, durch Kontributionszahlungen, Rohstoffmangel und Requirierungen derart stark in Mitleidenschaft gezogen oder gänzlich lahmgelegt worden, dass an einen wirtschaftlichen Aufschwung großen Stils nicht zu denken war. Der Aufbau, bei dem neue Erwerbsquellen erschlossen wurden, dauerte bis ins 18. Jahrhundert.

Die heilbringenden Quellen brachten weiteren Reichtum. Kaiser, Könige, Minister, Gelehrte, Künstler und Dichter waren Kurgäste im Bäderdreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad.

 

Aber das Egerland war trotz Industrie und der berühmten Kurorte eine im Wesen bäuerliche Landschaft. In der Freizeit musizierte der Egerländer gern auf dem Dudelsack, der Klarinette, der Geige, der Harfe und der Zither.

  

1751 wurde das Gebiet dem Elbogener Kreis (Loketský kraj) zugeordnet, einer Untergliederung des Königreichs Böhmen.

 

1806 - Egerland wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluss integraler Bestandteil des österreichischen Kronlandes Böhmen - Habsburger Monarchie.

1867 - 1918 - Die Habsburger Monarchie wurde in Kaiserlich- und königlichen Donaumonarchie (auch Doppelmonarchie genannt) umbenannt. Im "Egerländer Freiheitsbrief” wurden den Egerländern zwar besondere Rechte zuerkannt und auch die Sonderstellung des Egerer Landtags blieb bis 1918 erhalten. Trotzdem fühlten sich die Egerländer nie nach Prag hingezogen.  

 

1918/1919 - Durch den verlorenen Ersten Weltkrieg begann die Auflösung der K. u. k.-Donaumonarchie. Das Egerland war nun ein Teil der Tschechoslowakischen Republik. Der Begriff Sudetenland entstand. 

Die Verfassung der Tschechoslowakei war ohne Beteiligung des deutschen Bevölkerungsteils ausgearbeitet worden. Die deutschen Bürger der Republik waren zwar offiziell als Staatsbürger gleichberechtigt, jedoch führte die praktizierte Nationalitätenpolitik mit Bevorzugung der Tschechen gegenüber den nationalen Minderheiten zu Spannungen im Land. Die Konfrontationen zwischen mehrheitlich deutschen Gemeinden und dem tschechoslowakischen Staat hörten nie ganz auf und nahmen nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland deutlich zu. Henleins Sudetendeutsche Partei, die die Spannungen zwischen den Nationalitäten anheizte, gewann zunehmend an Macht und Einfluss.
1938 - 1945 - Sudetenland - Aufnahme ins Deutsche Reich
 

Nach dem Münchener Abkommen vom 29. September 1938 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins Sudetenland am 1. Oktober 1938 wurde das Sudetenland mit seinen 88.000 Einwohnern Bestandteil des Deutschen Reichs. Im neu geschaffenen Sudetengau wurde es dem Regierungsbezirk Eger mit 800.000 Einwohnern auf 7.466 Quadratkilometern mit Sitz in Karlsbad zugeordnet, welcher größtenteils aus altböhmischem Gebiet mit verschiedenen traditionellen Regionen, wie dem Ellbogener (Loketský), Pilsener (Plzeňský), Tachauer (Tachovský) und Saazer (Žatecký) Kreis, bestand.

 

 

1945/46 - Enteignung und/oder Vertreibung der Deutschen

 

Das Sudetenland war bis 1945 zu mehr als 90 Prozent von Deutschböhmen (Deutschen in Böhmen) bewohnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie infolge der Beneš-Dekrete enteignet und zirka 3.000.000 wurden vertrieben. Dies haben sie nie ganz verwunden. Bis heute wird das alte Brauchtum gepflegt und an die Kinder weitergegeben.

(Quelle: wikipedia)

(Quelle Foto: Wikimedia)

 


Flüchtlinge - Vertriebene - Emigranten - Spätaussiedler - Heimatverbliebene


  • Nach dem I. Weltkrieg begann eine Flüchtingswelle.
  • Nach dem II. Weltkrieg wurden bis zu 3.000.000 Menschen enteignet und vertrieben.
  • Sozialdemokraten konnten und Deutsche mit tschechischen Partnern und bestimmte Berufsgruppen mussten im Land verbleiben. UND: Nachdem Millionen Deutsche vertrieben waren und die Grenzgebiete zunehmend entvölkert waren, wurden die Züge mit den Vertriebenen eingestellt (Zwangsverbliebene). Sie wurden auch enteignet.
  • Wer als Deutscher in der CSR bleiben musste, war zuerst staatenlos. Später bekam er einen tschechischen Pass und war tschechischer Staatsbürger. Wer auf seine deutsche Nationalität pochte, bekam einen tschechischen Pass mit deutscher Nationalität (N = Nemci). Mit dem "N" war später eine Aussiedlung möglich.
  • Um 1968, als die russischen Panzer einmaschierten (Prager Frühling), flüchteten Menschen aus der Tschechoslowakei.
  • Zu den Spätaussiedlern: Durch die neue Ostpolitik Willi Brandt's war es möglich ab 1969 legal zwecks Familienzusammenführung auszusiedeln. Für die Zusammenführung wurden zwei Unterschriften Verwandter in Deutschland benötigt. Auch ein wenig Bares half dabei. In Deutschland half das Deutsche Rote Kreuz mit Kleidung aus. Die Deutschen kamen in Deutschland in Aussiedlungslager.
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  • Tschechien hat noch zirka 20.000 Deutschstämmige, die Heimatverbliebenen. Die Publikation der deutschen Minderheit in Tschechien heißt Landesecho. Die Homepage der Netschetiner: Bund der Deutschen in Böhmen.