Königreich Böhmen (České království)


Als die keltischen Bojern, die dem Land den Namen Böhmen gegeben haben, in den germanischen Markomannen aufgegangen sind, haben letztere von ihnen die meisten Namen der Flüsse, Bergrücken und vieler Flure in mündlicher Form übernommen. Sie waren Bauern und Viehzüchter und betrieben Töpferei, Metallbearbeitung und webten. Fest steht, dass der Name Eger keltischen Ursprungs ist. Auf die Kelten folgten germanische Stämme.

 

Im 5/6. Jahrhundert zogen die Markomannen nach Bayern ab und haben den Namen Böhmen als Bajuwaren mitgenommen.

 

Die Reste der Markomannen hätten sich vor den eindringenden slawischen Gruppen als Hilfsvolk der innerasisatischen, mongolischen Awaren ("Ackerknechte der Awaren") in die Randgebirge Böhmens zurückgezogen. Später nannten die Zeitgenossen die Awaren Hunnen.

Bertold Bretholz, Brünner Geschichtsforscher

1198 - Gründung des Königreichs Böhmens

 

Die böhmische Königswürde, 1085 Vratislav II. persönlich verliehen, seit 1198 unter Ottokar I. Přemysl erblich, demonstrierte die Sonderstellung Böhmens im Heiligen Römischen Reich.

 

Das Königreich Böhmen (České království) wurde 1198 durch Ottokar I. Přemysl (Přemysl Otakar I.) begründet. Es war eine Monarchie auf dem Gebiet der Region Böhmen in Mitteleuropa und bildete das Kerngebiet der ihm zugehörigen Länder der Böhmischen Krone

Lange Zeit mächtigster Fürst im Reich, war der Böhmische König mit Unterbrechungen Mitglied des Kurfürstenkollegiums und beteiligte sich an der Wahl des römisch-deutschen Königs, mit dessen Königstitel traditionell die Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum verbunden war.

Das Königreich Böhmen war von 1198 bis 1806 ein Teil des Heiligen Römischen Reiches und Sitz deutscher Kaiser

 

Mit König Johann kam 1310 die Dynastie der Luxemburger auf den böhmischen Thron und führte die Politik der Přemysliden fort.

 

Karl IV. (14.05.1316 * Prag - 29.11.1378  † Prag) entstammte aus der Dynastie der Luxemburger 

 

1347 folgte ihm sein Sohn Karl, der spätere Kaiser Karl IV., als König von Böhmen nach. Er bewirkte 1344 die Erhöhung des 973 gegründeten Bistums Prag zu einem Erzbistum. Dadurch wurde Böhmen aus der Kirchenprovin z Mainz gelöst und bildete nun eine eigene Kirchenprovinz mit den Suffraganbistümern Olmütz (Olomouc) und Leitomischl (Litomyšl).

 

1335 verzichtete Kasimir der Große von Polen auf Schlesien. Seit dem 14. Jahrhundert gehörten deshalb Schlesien, die Lausitzen sowie zeitweise die Mark Brandenburg und auch Teile der im Norden der heutigen Oberpfalz liegenden Gebiete (sog. Neuböhmen) zum böhmischen Staatsverband. 

 

Seit dem 14. Jahrhundert "Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches"

 

1348 gründete Karl IV. die nach ihm benannte Karls-Universität in Prag als erste Universität auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches nördlich der Alpen. Zu jener Zeit war die böhmische Hauptstadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mitteleuropas.

 

Karl IV. betrieb eine ausgleichende Nationalitätenpolitik

 

Er schützte und förderte die Deutschen in Böhmen (Deutschböhmen), verlangte von ihnen aber, dass sie ihre Kinder zweisprachig deutsch und tschechisch erzogen.

 

Zur Zeit seines Todes im Jahr 1378 erreichte die deutsche Besiedlung Böhmens einen Höhepunkt. Schon ab dem späten 14. Jahrhundert ging die deutsche Sprache und Bevölkerung wieder zurück.

 

Wirtschaftlich war Böhmen unter den Luxemburgern eine der führenden Regionen Europas. In Prag wurden gleichzeitig mit dem Prager Kanzleideutsch Grundlagen der modernen deutschen Sprache gelegt und durch die Feder des religiösen Reformators Jan Hus die Grundlagen der modernen tschechischen Sprache.

 

Das böhmische Königreich bildete das Zentrum der luxemburgischen Hausmacht und der imperialen Politik Karls IV.

Länder der Böhmischen Krone (1348-1918)

 

Als Länder der Böhmischen Krone (auch Krone Böhmen; Böhmische Krone, Böhmische Kronländer; tschechisch Česká koruna, země Koruny české; lateinisch Corona Bohemiae, Corona Regni Bohemiae) bezeichnet man die Gesamtheit der Länder, die mit dem Königreich Böhmen durch den gemeinsamen Herrscher sowie über Lehensbeziehungen verbunden waren. Mit der böhmischen Krone ist hier nicht die materielle Krone, die Wenzelskrone, gemeint, die dem König aufs Haupt gesetzt wurde, sondern die königliche Herrschaft, die in Verbindung mit der Ständeordnung das böhmische Staatswesen darstellte. Zu den Ländern der böhmischen Krone gehörte Böhmen (Čechy), Mähren (Morava) und Schlesien (Slezkso). Der Begriff existierte bis 1918, bis zum Ende der Königlich- und kaiserlichen Donaumonarchie (Doppelmonarchie).

 

Reformator Jan Hus

 

Jan Hus (nach seinem wahrscheinlichen Geburtsort Husinec, (Prachiner Kreis) um 1370/1372, † 6. Juli 1415 in Konstanz), auch Johannes Hus(s) genannt, war ein böhmischer christlicher Theologe, Prediger und Reformator. Er war zeitweise Rektor der Karls-Universität Prag. Jan Hus begab sich unter der Zusage freien Geleits auf das Konzil von Konstanz. Nachdem er dort seine Lehre nicht widerrufen wollte, wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Tschechien gilt Hus als „Nationalheiliger“.

Die Hussiten - benannt nach Jan Hus

Erster Prager Fenstersturz - Beginn der Hussitenkriege

 

Der erste Prager Fenstersturz steht am Anfang der Hussitenkriege.

 
Am 30. Juli 1419 stürmten Hussiten, Anhänger des Jan Hus, das Neustädter Rathaus am Karlsplatz in Prag, um dort gefangene Glaubensgenossen zu befreien.

Dabei warfen sie zehn Personen aus dem Fenster: den Bürgermeister, zwei Ratsherren, den Stellvertreter des Richters, fünf Gemeindeältere und einen Knecht.

Ein weiterer Ratsherr starb in der Folterkammer.

 

Die hussitische revolutionäre Bewegung
1419-37 

 

Bereits in den Hussitenkriegen nach 1420 kam ein Hass wegen der sozialen Schlechterstellung zwischen den Völkern auf, der religiös verbrämt wurde. Aus einem Klassenkampf wurde ein religiöser Volkskampf.

 

Die Länder der Böhmischen Krone bildeten ab 1526 den nordwestlichen Teil der Habsburgermonarchie und hatten Prag als königliche Hauptstadt

Das Tschechische war vom 15. bis ins 17. Jahrhundert die bestimmende Verwaltungssprache in den böhmischen Ländern gewesen, verlor jedoch im Laufe von deren zunehmender Integration in den Verband der Habsburgermonarchie rasant an Bedeutung.

 

Ende des 16. Jahrhunderts existierten in Böhmen zwei religiöse Lager: Auf der einen Seite die Anhänger der Lehre des Abendmahlskelches (Hussiten, später Böhmische Brüder oder Brüder-Unität), die inzwischen einen Großteil der Gläubigen in Böhmen zählte, auf der anderen Seite die Katholiken.

 

Im Zuge der Aufklärung begann man mit der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Geschichtsquellen und der tschechischen Sprache. Es war dies jedoch noch keine breite Volksbewegung, sondern eine Art Elitenprogramm kirchlicher Gelehrter und adeliger Mäzene. Als erste landeskundliche Institution wurde 1790 in Prag die Königlich Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften gegründet. Dies war nicht zuletzt eine Reaktion auf die unter Maria Theresia und Joseph II. betriebene Auflösung der letzten Reste der Eigenständigkeit der böhmischen Ländergruppe. Der böhmische Adel, der dem Wiener Zentralismus skeptisch gegenüberstand, besann sich auf die historischen Wurzeln des Landes. In Böhmen konnte man auf ein starkes regionales Bewusstsein zurückgreifen, das anfänglich noch beide Sprachgruppen – Deutsche wie Tschechen – im Sinne eines übernationalen Landespatriotismus einbezog.

Die überwiegend protestantischen Stände warfen ihrem katholischen Landesherrn, Kaiser Matthias und dem 1617 zum Nachfolger gewählten böhmischen König Ferdinand von Steiermark (nach 1619 auch Kaiser) vor, die von Kaiser Rudolf II. im Majestätsbrief von 1609 zugestandene Religionsfreiheit der Protestanten zu verletzen. Ausgelöst wurde die Empörung durch den Abriss der evangelischen Kirche in Klostergrab und die Schließung der St.-Wenzels-Kirche in Braunau.

 

1618 - Zweiter Prager Fenstersturz -
Beginn des 30-Jährigen Krieges

 

Der zweite Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 ist die von Vertretern der protestantischen Stände begangene Gewalthandlung in der Form des Fenstersturzes an den königlichen Statthaltern.

 

Nach Auflösung der Ständeversammlung zogen am 23. Mai 1618 knapp 200 Vertreter der protestantischen Stände zur Prager Burg und warfen nach einem improvisierten Schauprozess die in der dortigen böhmischen Hofkanzlei anwesenden königlichen Statthalter sowie den Kanzleisekretär aus einem Fenster etwa 17 Meter tief in den Burggraben, wobei alle drei, einer von ihnen am Kopf verletzt, überlebten.

 

Böhmischer Ständeaufstand - Rebellion des Adels - Beginn des 30-Jährigen Krieges

 

Er markiert den Beginn des 30-Jährigen Krieges und stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte Europas dar: Der Fenstersturz geschah als Fanal während des Böhmischen Ständeaufstandes.

 

Im Ständeaufstand in Böhmen rebellierte der dortige Adel gegen die damals schon fast 100 Jahre währende Politik der Habsburger in den Ländern der böhmischen Krone. Der Aufstand war Folge der religiösen, wirtschaftlichen und politischen Krise in Mitteleuropa und zugleich eine der Hauptursachen für den Ausbruch des 30-Jährigen Krieges. Auch der 30-Jährige Krieg wurde durch religiöse und völkische Unterschiede ausgelöst und führte zu einer Entvölkerung des Raumes, die durch eine erneute deutsche Einwanderung behoben wurde.

 

Durch diesen Krieg wurden fast alle Kirchenbücher vernichtet, was die Familienforschung erschwert.

 

Nach 1648 war die deutsche Volksgruppe stärker als die tschechische und beherrschte vor allem die Bürgerschicht, während die Tschechen überwiegend kleinbäuerlich lebten oder Dienstleistungstätigkeiten ausführten.

Kaisertum Österreich (1804-67)

 

Bei Gründung des Kaisertums Österreich 1804 wurde das Königreich Böhmen integriert mit Sitz in Wien. Es regierte die absolute Monarchie. Der „Doppelkaiser“ war als Franz II. Oberhaupt eines losen, in sich zerstrittenen Staatenbundes – nämlich des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – und als Franz I. der Herrscher des Habsburgerreichs – eines Vielvölkerstaates in Mittel- und Südosteuropa, der das Gebiet der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Tschechien (Böhmen und Mähren), Slowakei sowie Teile Polens und der Ukraine im Norden umfasste und sich im Osten und Südosten über Teile Italiens, Slowenien und Kroatien bis ins heutige Rumänien und Serbien ausdehnte.

 

Doch bald verengte sich der Begriff „Böhme“, unter dem lange Zeit jeder Bewohner des Landes, egal ob der deutschen oder tschechischen Sprachgruppe angehörend, verstanden wurde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der „Böhme“ zunehmend dadurch definiert, dass er böhmisch (= tschechisch) spricht. Dies geht zurück auf die Tatsache, dass die tschechische Sprache die später im Deutschen eingeführte Differenzierung zwischen „Böhme“ (= Bewohner des Landes) und „Tscheche“ (= Angehöriger der tschechischen Sprachnation) nicht kennt. Im tschechischen Begriff „Čech“ sind beide Bedeutungen vereint, wobei man dies von tschechischer Seite dahingehend interpretierte, dass nur Tschechen Böhmen sein könnten.

 

In der Folge wandelte sich der ethnisch noch indifferente bohemistische Landespatriotismus zum tschechischen Sprachnationalismus. Die Verfechter der Zweisprachigkeit der böhmischen Nation gerieten bald in eine Minderheitenposition. So war der Ausspruch von Graf Josef M. Thun, eines liberal gesinnten Mitglieds des böhmischen Hochadels, der 1845 meinte, er sei „weder Czeche, noch Deutscher, sondern nur ein Böhme“, um die Mitte des 19. Jahrhundert bereits anachronistisch.

 

Als 1871 das Kaiserreich der Hohenzollern gegründet wurde, kam bei den Deutschen in Böhmen und Mähren der Wunsch zum Anschluss an das Deutsche Reich und eine Abkehr vom verhassten Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn auf. Der Versuch Deutschösterreich, Böhmen und Mähren zu teilen und die mehrheitlich von Deutschböhmen (deutschsprachigen Böhmen) bewohnten Randgebiete dem Deutschen Reich zuzuführen, scheiterte. 

Auf tschechischer Seite wollte man sich von der böhmischen Herrschaft in Wien loslösen. Im 19. Jahrhundert verstärkte sich der alte Nationalitätenkampf in Böhmen und Mähren wieder, mit dem Erwachen der tschechischen Nation und den deutschen Bestrebungen nach nationaler Einheit in einem gemeinsamen Staat.

 

Im 19. Jahrhundert erwuchs das tschechische Selbstbewusstsein erneut im Gegensatz zu dem internationalen Adel und der klerikalen Habsburger Herrschaft. Das führte zum Kampf um die Mehrheiten in den großen Städten (Prag, Brünn, Olmütz, Pilsen, Budweis, Ostrau) und in den Randgebieten um die Volkstumgrenze. Es wurde verdrängt, dass es viele Mischehen gab. Der Slawenkongress von 1848 brachten den Panslawismus ins Spiel. Durch den deutschen Bruderkrieg (1866) wurden die Tschechen selbstbewusster, der militante Turnerbund SOKOL spielte bei der nationalen Selbstfindung eine Rolle. Zunehmend konnten Tschechen deutsche Bürger in den innenböhmischen Städten (z. B. Königgrätz) die deutsche Bürgerschicht zu sich herüberziehen und assimilieren.

 

Böhmen war stets eine europäische Region, in der religiöse und ethnische Gegensätze aufeinander trafen. Dies erzeugte Konflikte, aber auch produktive Wechselwirkungen. Die böhmische Kultur ist in ihrer Vielfalt geprägt vom Zusammenwirken und Aufeinanderprallen von tschechischen, deutschen und jüdischen Einflüssen.

 

Ende der Kaiserlich- u. königlichen Donaumonarchie (1867-1918)

 

Die Kaiserlich- u. königliche Donaumonarchie (K. u. k.-) (Doppelmonarchie/Donaumonarchie) zählte insgesamt 13 Völker. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg ging sie am 31. Oktober 1918 in der republikanischen Tschechoslowakei auf.

 

Böhmen existierte von 1198-1918

 

Ab dem verlorenen 1. Weltkrieg 1918 besetzten die Tschechen Böhmen und Mähren. Es entstand die Erste Republik - Tschechoslowakei (Československo). 

(Quelle: Wikipedia)

(Quelle der Fotos: Wikimedia)